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Am Anfang war Al-Aksa
19.02.2007 - 19:11 von Webmaster


Auszüge aus einem Artikel von Nadav Shragai, Haaretz, 27.11.2005


Vor einigen Jahren erschien ein Artikel auf der Website des nördlichen Zweiges von Israels Islamischer Bewegung. Der Artikel stammte aus der Feder des ägyptischen Archäologen Abed al-Rahim Rihan Barakat, Leiter der archäologischen Abteilung in der Region Dahab auf der Halbinsel Sinai. Er schrieb: „Die Legende über den jüdischen Tempel ist die größte historische Fälschung.“

Barakat fuhr fort zu erklären, dass David und Salomo nur kleine Gebetshäuser und keinerlei Verbindung zu einem Tempel hatten. Mit dieser Aussage steht er nicht allein. Ein saudi-arabischer Historiker namens Mohammed Hassen Sharab behauptet, der Tempel Salomos wurde an der Stelle gebaut, an der jetzt die Davidszitadelle steht. Eine Fatwa auf der Website der moslemisch-religiösen Treuhand (Waqf) in Jerusalem beinhaltet, dass Salomo und Herodes den Tempel nicht gebaut, sondern nur seine frühere Konstruktion aus Adams Zeit renoviert hätten.

Eine weitere Behauptung, die von Ikrama Sabri, dem Jerusalemer Mufti der palästinensischen Autonomiebehörde, ausgesprochen wurde, besagt, dass der Tempel bereits dreimal gebaut wurde und dass Herodes derjenige gewesen sei, der den dritten Tempel errichten ließ. Wenn man dieser Art von Logik folgt, wurde der dritte Tempel bereits zerstört, womit die jüdische Überlieferung bezüglich des zukünftigen Baus eines dritten Tempels unbegründet ist. Gemäß einer anderen moslemischen Version, die in den letzten Jahren großen Anklang fand, stand der Tempel der Juden ausgerechnet in Jemen.

Historiker Dr. Yitzchak Reiter, der nun [2005] ein Buch mit dem Titel „From Jerusalem to Mecca and Back – the Muslim Rallying Around Jerusalem“ (http://www.jiis.org.il/imageBank/File/publications/reiter-eng.pdf ) veröffentlichte, sammelte über Jahre hinweg Tausende von Publikationen, religiösen Rechtssprechungen, Aussagen und Erklärungen von moslemischen Klerikern, Historikern, öffentlichen Personen und Staatsmännern über das Thema Jerusalem. Sein Buch zeichnet detailgetreu ein Portrait der umfassenden moslemischen Leugnung – einer Leugnung der jüdischen Verbindung mit Jerusalem, dem Tempelberg und dem Tempel. Diese Argumentation hat sich seit dem Sechstagekrieg im Jahr 1967 verstärkt.

Das Buch wird vom Jerusalemer Institut für Israel Studien veröffentlicht. Dies ist eine Institution für politische Studien, die 1978 auf Initiative von Teddy Kollek gegründet wurde und seither Hunderte von Studien, die sich auf die Stadt Jerusalem und ihre Zukunft beziehen, veröffentlicht hat. Das Institut wird hauptsächlich von Spenden finanziert und ist unabhängig von städtischen und staatlichen Institutionen. Vor dem Camp-David-Gipfel im Jahr 2000 entwarf das Institut die Optionen für die Teilung Jerusalems und seiner Umgebung in einen jüdischen und einen palästinensischen Teil. Die Gelehrten des Instituts führen auch Studien in Zusammenarbeit mit palästinensischen Forschungsinstituten durch.

Die moslemische Mauer


Mehrere Kapitel in Reiters Studie beschreiben den parallel verlaufenden Anstieg der Heiligkeit von Al-Aksa und Al-Quds (der moslemische Name von Jerusalem). So wird zum Beispiel mittlerweile gesagt, die Al-Aksa-Moschee –die gemäß moderner Forschung vor etwa 1.400 Jahren gebaut wurde- sei eine Moschee, die zur Zeit der Schaffung der Welt während Adams oder Abrahams Dasein entstanden sei. Scheich Ikrama Sabri ist einer von denjenigen, die diese Überlieferung heraufbeschwörten. Er führte sie in einer Rechtssprechung an, die er vor einigen Jahren verfasst hat. Hierin schrieb er den Bau der heiligen Moschee in Mekka und des Al-Aksa-Komplexes Adam, die Erneuerung der Kaaba Abraham und die Renovierung von Al-Aksa Salomo zu. Auch der saudi-arabische Historiker Mohammed Hassen Sharab schrieb, Al-Aksa sei von Adam gebaut worden. Ein weiterer saudi-arabischer Historiker behauptete, die Al-Aksa-Moschee habe bereits vor Jesus und Mose existiert. Eine andere Überlieferung, die von einigen heutigen moslemischen Autoren zitiert wird, schreibt den Bau von Al-Aksa Abraham zu. Diese Überlieferung besagt auch, Abraham habe Al-Aksa 40 Jahre nach dem Bau der Kaaba, die er gemeinsam mit seinem Sohn Ismael errichtete, gebaut.

Reiter enthüllt Tausende von Rechtssprechungen, Publikationen und Quellen, die aufzeigen, in welch großem Umfang die Leugnung der jüdischen Verbindung mit Jerusalem und den heiligen Plätzen in der moslemischen Welt bereits vorhanden ist. Verschiedene islamische Quellen versuchen nun, Jerusalems Schlüsselrolle im jüdischen Glauben zu widerlegen. Sie leugnen die Existenz des Tempels in Jerusalem und behaupten, die Westmauer („Klagemauer“) sei kein authentischer Überrest der äußeren Stützmauer des Tempel-Komplexes, sondern eher die Westmauer des Al-Aksa-Komplexes. Diesen Platz assoziieren die Moslems nun mit Al-Buraq, dem wunderbaren Lasttier des Propheten Mohammed, das laut der Legende vom Propheten an der Mauer angebunden wurde.

Die islamischen Texte, die sich auf die Leugnung der jüdischen Verbindung mit Jerusalem und den heiligen Plätzen beziehen, wurden von Reiter bei der jährlichen arabischen Buchmesse in Kairo und in Buchläden islamischer Gemeinden in Europa, Amerika und Asien gefunden. Ein großer Prozentsatz dieser Texte ist Arabisch sprechenden Lesern auch im Internet zugänglich. Sie sickern allmählich in das Meinungsbild der Menschen hinein und werden für ein großes moslemisches Publikum auf der ganzen Welt zur Wahrheit.

Die neue islamische Schreibung, die mit der jüdischen Schreibung über Jerusalem kollidiert, stellt drei fundamentale Behauptungen auf: die jüdische Präsenz in Jerusalem war nur kurz (etwa 60 bis 70 Jahre) und rechtfertigt daher nicht die jüdische Souveränität über die heilige Stadt; der Tempel existierte niemals und der Tempel von Salomo –wobei Salomo einzig und allein als islamische Figur betrachtet wird- war höchstens ein persönlicher Gebetsraum; die Westmauer ist eine heilige moslemische Mauer, deren Verbindung zum Judentum im 19. und 20. Jahrhundert für politische Zwecke erfunden wurde.

Falsch zitiert


Viele moslemische Rechtsgelehrte verbinden nun das Wort „Al Hekhal“ (der Tempel) mit dem Wort „Al Mazum“, der literarischen Umschreibung für „die Intention“ oder „die Vermutung“, um ihre Position, nach der alles eine jüdische Erfindung ohne faktische Grundlage ist, zu erhärten. Abed al-Tuwab Mustafa zum Beispiel ist ein Dozent für politische Wissenschaften an der Universität von Kairo und früherer Moderator eines religiösen Programms im ägyptischen Fernsehen. Er schreibt in seinem Buch, dass der jüdische Glaube an den Tempel eine unbegründete Behauptung sei und dass die Forschung der Juden nicht wissenschaftlich sei sondern nur als reine Vermutung und Hypothese betrachtet werden könne.

Gemäß Mustafas Analyse war der Tempel ein Gebäude, das nicht größer als ein geräumiges Zimmer war. Den Bericht der britischen Untersuchungskommission bezüglich der Westmauer, die im Jahr 1929 nach den Aufständen im damaligen britischen Mandatsgebiet Palästina eingerichtet wurde, zitiert er falsch und sagt seinen Lesern, die Kommission habe herausgefunden, dass die jüdische Behauptung, die Westmauer sei eine der Mauern von Salomos Tempel, falsch sei. Tatsache ist, dass der Bericht der Kommission das Gegenteil sagt.

Eine ähnliche Verzerrung erscheint auf der Website des südlichen Zweiges der Islamischen Bewegung in Israel. Mohammed Halayka basiert seine Ansicht, es gäbe keine Spuren eines jüdischen Tempels auf scheinbaren Forschungen von israelischen Archäologen. Halayka schreibt, dass die Juden seit 1967 65 Ausgrabungen auf dem Tempelberg vorgenommen haben. Er zitiert die Archäologin Eilat Mazar, die gesagt haben soll: „Wir sind nicht bis zum Tempel vorgedrungen, und wir haben keine Ahnung, wo er stand.“ Tatsache ist jedoch, dass Mazar in ihrem Buch Fundstücke präsentiert, die die biblischen Quellen über den Tempel unterstützen. Sie weist außerdem darauf hin, dass es nicht möglich ist, Ausgrabungen unter dem Tempelberg-Komplex vorzunehmen und dass es aus diesem Grund keine originalen Artefakte vom Tempel selbst gibt.

Ranghohe Offizielle des Waqf in Jerusalem sagen, es sei undenkbar, dass eine archäologische Ausgrabung an dieser heiligen Stelle erlaubt würde. Sie sagen, keine der Ausgrabungen um den Tempelberg herum könne die Existenz eines jüdischen Tempels bekräftigen. Dieser sei pure Legende. Sie beziehen sich dabei auf die Aussage des Muftis von Jerusalem, Scheich Ikrama Sabri, und auf Aussagen seines Vorgängers, dem verstorbenen Mufti Scheich Saad E-Din al-Almi. Beide Männer betonten die Überlegenheit und Vormachtstellung des Islam in Jerusalem.

Reiter ist der Meinung, dass die Wirkung der weit verbreiteten Leugnung nicht heruntergespielt werden dürfe. Er weist darauf hin, dass Politiker und Journalisten aus mehreren arabischen Ländern einen bedeutenden Anteil dieser Botschaften nutzen, sie Teil ihres politischen Bestrebens werden lassen und dadurch ihre Verbreitung intensivieren.

Bis 1967 sprachen sie anders


Über Jahrhunderte hinweg bis zum Jahr 1967 war die Geschichte des jüdischen heiligen Tempels – Details über seine Erbauung, Überlieferungen bezüglich seiner Existenz, und auch Details über die Zerstörung des ersten Tempels durch Nebukadnezar - ein fest verankertes und unbestrittenes Motiv in der moslemisch-arabischen Literatur. Darüber hinaus, sagt Reiter, identifizieren klassische arabische Quellen den Ort, wo die Al-Aksa-Moschee steht, als den Ort, wo der Tempel Salomos stand. Abu Bachar al-Wasti, der zu Anfang des 11. Jahrhunderts Prediger in der Al-Aksa-Moschee war, präsentiert eine Vielfalt von Überlieferungen in seinem Buch, die die jüdische Vergangenheit des heiligen Tempels darstellen.

Selbst im 20. Jahrhundert (vor dem Jahr 1967) schrieb der palästinensische Historiker Araf al-Araf, der Ort des Haram al-Sharif sei derjenige des Berges Moriah, der im Buch Genesis genannt wird. Hier war die Tenne von Aravna (Ornan) dem Jebusiter, die von David gekauft wurde, um dort im Jahr 1007 v. d. Z. den Tempel zu bauen. Al-Araf fügte sogar hinzu, die Überreste des Komplexes unter der Al-Aksa-Moschee datierten auf die Zeit Salomos zurück. Diese Aussagen wurden zu einer Zeit geschrieben, als die Altstadt von Jerusalem Teil des Königreiches Jordanien war. In neuen arabischen Schulbüchern, die seit 1967 verfasst wurden, oder im zeitgenössischen Diskurs sind solche Aussagen kaum mehr zu finden. (Nadav Shragai, Haaretz, 27.11.2005)



Quelle: „Newsletter der Botschaft des Staates Israel - Berlin“ vom 13. Februar 2007


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